Kurzbericht unserer Exkursion vom 16. Mai 2015

Eröffnung der Exkursion am 16.05.2015
Eröffnung der Exkursion am 16.05.2015

Unsere Exkursion führte uns diesmal an den Nordrand der Doupovské hory. Die zahlreichen tschechischen und deutschen Exkursionsteilnehmer trafen sich im Kurgelände von Klášterec nad Ohří. Vom Parkplatz aus führte uns Herr Čestmír Ondráček über eine Brücke der Ohře in südliche Richtung zum Mravenčák, von dort aus zur Burgruine Egerberk und auf der Straße östlich Egerberk zurück nach Klášterec nad Ohří. Bei sonnigem Frühlingswetter erfreuten wir uns an vielen beeindruckenden Naturschönheiten. Der recht mühsame Aufstieg zum Reservat auf dem Mravenčák durch artenreiche Laubwälder wurde mit reizvollen Ausblicken auf den bewaldeten Černý vrch, in das Becken der Ohře und auf die Erzgebirge/Krušné hory belohnt. Gleich zu Beginn des Weges zum Mravenčák stellte uns Herr Ondráček mit dem Zerstreutblütigen Vergissmeinicht - Myosotis sparsiflora eine für diese Region typische Pflanzenart vor. Im Laubwald unterhalb des Reservates konnte wir die ersten Blätter des in Mitteleuropa seltenen Eichen-Lattichs – Lactuca quercina bewundern.

 

Das ca. 1,5 Hektar große felsige Reservat ist weitgehend offen und beherbergt zahlreiche wärmeliebende Arten, u.a. Wiesen-Küchenschelle  - Pulsatilla pratensis, Berglauch - Allium senescens,  Frühlings- und Sand-Fingerkraut  -  Potentilla neumanniana und Potentilla incana, Armblütige Gänsekresse - Arabis pauciflora, im gelben Blütenstand der Gänsesterbe - Erysimum crepidifolium entdecke ich einen Gestreiften Raps-Blattkäfer  - Entomoscelis adonidis. Diese thermophile Blattkäferart gilt in der Tschechischen Republik als stark gefährdet. In unmittelbarer Nähe saß eine Bindenblutzikade - Cercopis sanguinolenta in einem Strauch.  Auf dem Weg zur Burgruine beobachteten wir zwei Lilienhähnchen – Lilioceris lilii auf einer Türkenbund-Lilie - Lilago martagon, sahen Leberblümchen – Hepatica nobilis und erfreuten uns am Gesang eines Wald-Laubsängers – Phylloscopus sibilatrix. Am Eingang zur Burgruine „begrüßte“ uns ein dichter Bestand der Zypressen-Wolfsmilch – Euphorbia cyparissias und wie erwartet zeigte sich ein Wolfsmilch-Spanner  - Minoa murinata. Ein Großer Fuchs – Nymphalis polychloros flog im Bereich der Burgruine. An einem Acer-Stumpf wuchsen  zahlreiche Fruchtkörper des Birken-Blättlings – Lenzites betulinus und der Striegelige Tramete – Trametes hirsuta.

 

Nachdem wir uns an der tollen Aussicht von Egerberk ins Egertal berauscht hatten, ging es auf den Rückweg entlang der Straße bis zum Kurgelände von Klášterec nad Ohří. Am Straßenrand zeigte sich ein Weißdornstrauch – Crataegus monogyna in voller Blüte. Am Stamm eines Birnbaumes leuchteten frische Fruchtkörpern des Schwefelporlings – Laetiporus sulphureus. Im angrenzenden Wiesegelände „knatterte“ ein Wachtelkönig - .Crex crex mit seinem unverwechselbaren Ruf. Trotz des sonnigen Wetters sahen wir  während der Exkursion insgesamt nur vier Tagfalterarten, neben dem Großen Fuchs, Landkärtchen – Arschnia levana, Hecken-Weißling – Pieris napi und auf dem Parkplatz in Klášterec nad Ohří ein Tagpfauenauge – Inachis io. Im Kurgelände erfrischten wir uns mit einem wirklich schmackhaften Mineralwasser aus einer heimischen Mineralquelle. Eine erlebnisreiche Exkursion ging zu Ende. Besonderer Dank gilt unseren Vereinsmitgliedern Čestmír Ondráček für die Leitung der sehr interessanten Exkursion und Olga Holcová für das Dolmetschen.

 

Wolfgang Dietrich, Januar 2016

 

Mahd einer artenreichen Wiese im Přírodní památka

„Krásná Lípa“/ (08.09.2015)

 

Beobachtung von Schmetterlingen, Käfern, Pflanzengallen und Pilzen im Přírodní památka „Krásná Lípa“

Wolfgang Dietrich

 

Am 08.09.2015 trafen sich acht tschechische und deutsche Mitglieder des Vereins „Pestry-Bunt“ in Krásná Lípa zur Mahd einer artenreichen Wiese im Přírodní památka „Krásná Lípa“ (s. a. Ondráček 1999). Bei sonnigem herbstlichem Wetter konnte das ca. 1 ha große südlich exponierte Wiesengelände dank der zahlreichen Helfer gemäht und das Mahdgut beräumt werden. Eine jährliche Mahd ist erforderlich, um Pflanzenarten wie u. a. den Blutroten Storchschnabel - Geranium sanguineum, Färberginster - Genista tinctoria, Hirsch-Haarstrang - Peucedanum cervaria, Wiesen-Kümmel – Carum carvi, die Holunderorchis - Dactylorhiza sambucina, Zypressen-Wolfsmilch - Euphorbia cyparissias, Pechnelke - Silene viscaria und das Nordisches Labkraut - Galium boreale am Südhang der Krušné hory bei ca. 600 m NN in ihrem Bestand zu erhalten. Bleibt die Mahd aus, würde diese Wiese zunehmend stärker verbuschen und sich über einen Pionierwald zu einem Laubwald entwickeln. Niedrige Bäumchen von Populus tremula und Querucs petraea im Wiesenbereich signalisieren den Sukzessionsbeginn. Am östlichen Rand des Schutzgebietes grenzt ein solcher Laubwaldbereich an, in dem die Traubeneiche (Quercus petraea) dominiert.

 

Der Autor dieses Berichtes nutzte den Nachmittag auch zum Erfassen von Pilzen, Schmetterlingen und Pflanzengallen (Cecidien). Da über diese Artengruppen vom 1,22 ha großen Schutzgebiet bisher nur wenige Angaben vorliegen, bat mich unser Vereinsmitglied Čestmír Ondráček (Chomutov) diese Beobachtungen in einem Kurzbericht mitzuteilen. An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Ondráček für die sehr angenehme Zusammenarbeit herzlichst bedanken.

 

Auf der Suche nach Cecidien an Quercus petraeaentdeckte ich am Rande der Wiese auf der Unterseite eines Laubblattes eine Raupe des Großen Schneckenspinners - Apoda limacodes (Hufnagel, 1766) und in der Wiese fand unser Vereinsmitglied Jürgen Teucher eine Raupe des Brombeerspinners – Macrothylacia rubi(Linnaeus, 1758). Im Wiesenbereich scheuchten wir beim Betreten einen Ockergelben Blattspanner - Camptogramma bilineata(Linnaeus, 1758) und einen Graubinden-Labkrautspanner - Epirrhoe alternata (Müller, 1764) auf. Ein Admiral - Vanessa atalanta (Linnaeus, 1758) flog rasch südwestwärts, wahrscheinlich auf dem Rückflug in das Überwinterungsgebiet in Südwestdeutschland bzw. Ostfrankreich. Einzelne Falter überwintern seit einigen Jahren auch im Erzgebirge/Krušné hory. Auf Blättern von Traubeneichen - Quercus petraea fand ich Gallen der folgenden Gallwespenarten: Andricus curvator Hartig 1840, Cynips agama Hartig 1840, Cynips divisaHartig 1840, Neuroterus albipes Schenck 1863 und Neuroterus quercusbaccarum(Linnaeus, 1758). Auf Rosensträuchern (Rosa spec.) waren die auffällig rot gefärbten Gallen der Rosengallwespe - Diplolepis rosae (Linnaeus, 1758) nicht zu übersehen. Blätter von Wildbirnen - Pyrus pyraster waren von Gallen der Milbenart Eriophyes pyri Pagenstechen, 1857 und des Rostpilzes Gymnosporangium fuscum (Dicks) G. Winter befallen. Diese Bäume stehen am Rande des Schutzgebietes und wurden wohl angepflanzt. Die von dieser Milbenart erzeugten Gallen werden wegen ihres Aussehens auch als Birnenpocken bezeichnet.

 

Die Blätter einiger Traubeneichen zeigten Befall des Echten Mehltaupilzes (Erysiphales) Erysiphe alphitoides (Griffon & Maubl.) U. Braun & S. Takam. Neben Gymnosporangium fuscum konnten folgende weitere Rostpilze (Pucciniomycetes) nachgewiesen werden: Phragmidium fragariae (DC.) Rabenh. auf Potentilla alba, Phragmidium potentillae (Pers.) Grev. auf Potentilla argentea, Puccinia punctata Link auf Galium verum und Uromyces laburni (DC.) G.H. Otth auf Genista tinctoria sowie Melampsora populnea (Pers.) Karst. auf Populus tremula. Über den Rostpilz Phragmidium fragariae auf Potentilla albalagen bisher noch keine Angaben für die Krušné hory vor (s.a. Dietrich & Müller 2001 sowie Dietrich 2005). Auf einigen Blättern von Knautia arvensis parasitierte Ramularia tricherae Lindr. und auf Blättern von Acer platanoides Rhytisma acerinum (Pers.) Fr. Neben diesen parasitischen Kleinpilzen fand der Autor vier Großpilze: im Wiesenbereich Gymnopus dryophilus (Bull.: Fr.) Murill - Waldfreund-Rübling, Macrolepiota procera (Scop.: Fr.) Singer - Parasol und Marasmius oreades(Bolton: Fr.) Fr. - Nelkenschwindling sowie im angrenzenden Laubwald an einem toten stehenden Stamm einer Eberesche - Sorbus aucuparia zahlreiche Fruchtkörper von Pleurotus ostreatus (JacQ.: Fr. P. Kumm. - Austern-Seitling.

 

Bereits in den Jahren 2009 und 2012 suchte ich das Gebiet auf. Über Nachweise von einigen Tagfaltern wie u.a. Carterocephalus palaemon, Callophrys rubi, Lycaena tityrus, Erebia medusa sowie dem Rüsselkäfer Zacladus geranii wurde in den Arbeiten von Dietrich (2011 a und b) berichtet. In der vorliegenden Arbeit teile ich weitere damals beobachtete Schmetterlings- und Käferarten mit: am 17.05.2009 die Scheck-Tageule - Euclidia mi (Clerck, 1759), das Buschrasen-Grasmotteneulchen - Deltote deceptoria (Scopoli, 1763), das Hornkraut-Tageulchen - Panemeria tenebrata (Scopoli, 1763), den Wolfsmilch-Spanner - Minoa murinata (Scopoli, 1763), den Heidespanner - Ematurga atomaria (Linnaeus, 1758), den Hartheu-Spanner- Siona lineata (Scopoli,1763) und den Pantherspanner – Pseudopanthera macularia(Linnaeus, 1758) und am 12.05.2012 den Bergheiden-Johanniskraut-Spanner - Aplocera praeformata (Hübner, [1826]), den Fleckleib-Labkrautspanner - Epirrhoe tristata (Linnaeus, 1758) sowie den Langhaariger Scheckhornbock - Agapanthia intermedia Gangbauer, 1884, den Labkraut-Blattkäfer - Sermylassa halensis(Linnaeus, 1767) und am Ortsrand nahe dem Schutzgebiet den Schierlings- Stängelrüssler - Lyxus iridis Olivier, 1807. Die Nahrungspflanze der Larven von Agapanthia intermedia ist die Acker-Witwenblume - Knautia arvensis, Sie kommt in diesem Wiesenreservat häufig vor.

 

Literatur:

 

Dietrich W. (2011a): Tagfalterbeobachtungen in den Krušné hory (Erzgebirge). – Sborník muzea Karlovarského kraje 19: 273-318.

 

Dietrich W. (2011b): Nachweise von Zacladus geranii im Erzgebirge/Krušné hory (Coleoptera, Curculionidae). – Entomologische Nachrichten und Berichte 55,1: 73-74.

 

Dietrich W. & Müller J. (2001): Die Rost-, Brand- und Falschen Mehltaupilze des tschechischen Teiles des Erzgebirges (Krušné hory). – Czech Mycology 53, 1: 89-118.

 

Dietrich W. (2005): Die Rost-, Brand- und Falschen Mehltaupilze des tschechischen Teiles des Erzgebirges (Krušné hory): erster Nachtrag. – Czech Mycology 57(3-4): 257-273.

 

Ondráček Č. (1999): Chráněná území okresu Chomutov. Okresní muzeum Chomutov.

 

 

Anschrift des Autors:

 

Wolfgang Dietrich, Barbara-Uthmann-Ring 68, 09456 Annaberg-Buchholz (BRD)

 

 

Arnika
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Schwarzspecht, Datel černý
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Holunder-Knabenkraut, Prstnatec bezový
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