Naturnahe Bergbäche und Flüsse

In der wasserreichen Mittelgebirgsregion des Erzgebirges treten naturnahe Bäche und Flüsse vergleichsweise (noch) recht häufig auf, wobei durchgehend naturnahe Ausprägungen allerdings wiederum selten sind. Die Fließgewässer prägen das Landschaftsbild und sind Lebensräume zahlreicher typischer Tiere und Pflanzen.

Doch was bedeutet „naturnah“ ganz konkret? Naturnah sind Bäche und Flüsse nur dann, wenn sie einen nicht oder nur wenig begradigten Verlauf mit überwiegend unbefestigtem Ufer aufweisen. Man spricht dann von einem sog. mäandrierenden Verlauf mit Prall- und Gleitufern, Uferabbrüchen, Sand-, Schlamm- und Kiesbänken oder blockschuttreichen Bachbetten. Kleinere Wasserfälle, Staue und Kaskaden gehören ebenfalls zu den charakteristischen Strukturen solcher Gewässer.

Naturnahe Fließgewässer laden zu jeder Jahreszeit zu einer Entdeckungsreise ein. Und zu entdecken gibt es viel: Köcherfliegenlarven, Wassermoose (von Kindern gerne „Nixenhaar“ genannt), jede Menge „Glitzersteine“ und vieles mehr. Man kann den Eisvogel beobachten, der mit seinem metallic-blauen Gefieder aussieht, als käme er aus den Tropen, agile Bachforellen und mit etwas Glück auch den scheuen, waldbewohnenden Schwarzstorch bei der Nahrungssuche.

 

Klare und schnell fließende Berglandbäche sind außerdem Lebensraum der Wasseramsel (Cinclus cinclus), eine unserer Projekt-Zielarten. Man kann sie gut an ihrem weißen Brust-Kehl-Fleck, dem kurzen Schwanz und dem charakteristischen Knicksen des Körpers erkennen. Der scheue Vogel jagt im Bach nach kleinen Wasserlebewesen und kann dabei schwimmen, tauchen und sogar unter Wasser laufen. Die in Sachsen gefährdete Vogelart gilt als Zeiger für strukturreiche Fließgewässer guter Wasserqualität.

Auch das Bachneunauge (Lampetra planeri), ebenfalls Projekt-Zielart, bewohnt nur Bäche mit guter Wasserqualität und hoher Strukturvielfalt. Der Name ist irreführend, denn das Bachneunauge sieht auch „nur“ mit zwei Augen. Dazu kommen auf jeder Körperseite seitlich hinter dem Kopf noch sieben Kiementaschen, die wie kleine Augen aussehen. Bachneunaugen sind keine Fische sondern sog. Rundmäuler. Sie besitzen ein Saugmaul mit Hornzähnen, mit dem die erwachsenen Tiere nichts mehr fressen, sondern sich nur gegenseitig oder an Steinen festhalten.

 

Die "Pöhla" bei Königswalde
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Arnika
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Schwarzspecht, Datel černý
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Holunder-Knabenkraut, Prstnatec bezový
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