Bergwiesen

 
Artenreiche, blütenbunte Bergwiesen – im Erzgebirge gibt es sie noch! Sie werden hier poetisch-klangvoll z.B. als „Storchschnabel-Goldhafer-Bergwiese“ oder „Rotschwingel-Bärwurz-Magerwiese“ bezeichnet. Diese kräuterreichen Grünländer sind Wiesen voller Leben: auf den purpurnen Blüten der Verschiedenblättrigen Kratzdistel (Cirsium heterophyllum) tummeln sich Hummeln auf Nektar- und Pollensuche, Schwalbenschwanz-Raupen fressen die aromatischen Blätter der Bärwurz (Meum athamanticum), Grünwidderchen (Procris statices) lieben lila Acker-Witwenblumen (Knautia arvensis), Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) und Goldschrecken zirpen um die Wette, Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Wiesenralle (Crex crex) und Wachtel (Coturnix coturnix) finden hier Nahrung … .

Bergwiesen gehören ebenso zum Heimatgefühl im Erzgebirge wie z.B. der „Vogelbeerbaam“. Neben ihrer Bedeutung für den Natur- und Artenschutz sind sie ein wertvolles Zeugnis historischer Bewirtschaftungsweisen: sie sind wie alle anderen Wiesen auch durch eine regelmäßige Mahd-Nutzung entstanden. Eine Bergwiese ist damit eine klassische Mähwiese in den Berglagen. Dabei wurden die zumeist ortsfern gelegenen Wiesenflächen, bei denen es sich oftmals um Rand- oder Splitterflächen in Hanglage handelte, zumeist nur einmal gemäht (Heugewinnung). Diese traditionelle einschürige Nutzung wird heute als „extensiv“ bezeichnet. Durch diese schonende Bewirtschaftung mit mäßiger oder fehlender Düngung haben sich auf den nähr- und stickstoffarmen (mageren) Standorten artenreiche Pflanzenbestände entwickelt.

 


Hier wachsen auch Pflanzenarten, die in gedüngten Wirtschaftswiesen keine Chance haben. Solche sog. „konkurrenzarmen“ Arten füllen heute leider die Roten Listen. Darunter befinden sich z.B. Kräuter wie die heilkräftige Arnika (Arnica montana), die im Erzgebirge früher traditionell zur Bereitung von Tinkturen gesammelt wurde. War sie früher häufiger ist das leuchtend gelbe Berg-Wohlverleih, wie die Arnika auch manchmal genannt wird, heute eine stark gefährdete Art erzgebirgischer Bergwiesen.

Bergwiesen beherbergen noch zahlreiche weitere botanische Kostbarkeiten wie z.B. das attraktive Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina). Die vom Aussterben bedrohte Orchideen-Art weist nur noch wenige sächsische Fundpunkte auf, die meisten Vorkommen sind verschollen oder hier leider bereits erloschen.

Beide Arten zählen zu den Zielarten unseres Projektes. Denn durch die weit verbreitete intensive Grünlandnutzung mit Düngung, häufiger Mahd und starke Beweidung sind Bergwiesen heute im Rückgang – lediglich ca. 2.000 ha Bergwiesenfläche sind in Sachsen noch bekannt.

 

Arnika
Arnika
Schwarzspecht, Datel černý
Schwarzspecht, Datel černý
Holunder-Knabenkraut, Prstnatec bezový
Holunder-Knabenkraut, Prstnatec bezový